MIA
29.05.2004
Thomas: Neulich habe ich auf VIVA das jüngste Gericht gesehen. Mietze du hast da gesagt das, das erste Konzert das du Live gesehen hast Fettes Brot war. Dieses Jahr spielt ihr auf dem Rothaarfestival und da sind Fettes Brot Headliner. Wie ist es wen du jetzt selber mit solchen Bands auf dem gleichen Festival spielst.
Mietze: Schön, ich freu mich. Also Ich bin ja generell Musikliebhaber. Das ist sowieso etwas für mich. Eine bunte Mischung aus verschiedenen Musikrichtungen , verschiedene Leute. Ich mag den Festivalsommer immer sehr.
 
Thomas: Schaut ihr euch dann auf einem Festival wie hier Kultur Pur auch das drum herum an oder bekommst ihr da weniger von mit ?
Mietze Wir machen das wie die Zeit es erlaubt. Manchmal ist halt keine Zeit da sich auf dem Festival Gelände umzugucken Aber grade heute sind wir schon den ganzen Tag hier. Das heißt ich hatte schon Gelegenheit mir den Tierzirkus genau anzugucken und ein bißchen rum zu schlendern durchs Gelände. Was hast den du gemacht Robert?

Robert: Robert Wir sind ja hier umgeben von Wald. Dem habe ich mich genähert. Ich bin also einfach in den Wald gegangen. Dann bin ich wieder zurück gegangen und jetzt hab ich eine riesen blase was total Stadtkindmäsig rüber kommt aber hab dafür einen schönen Eindruck mitgenommen. Also heute hat es die zeit wirklich mal erlaubt sich umzugucken. Wen wir dürfen werden wir nachher auch mal zu Uriah Heep ein gucken was man ja nur noch aus Werbung für alte Kompilations kennt aber ich bin gespannt.
 
Thomas: Wie ist es denn wenn man aus der Stadt hier quasi ins nichts rein kommt ?
Robert: Ich hab mich vorhin schon mal mit jemand unterhalten, ich fand es faszinierend das der Beruf den wir uns hier mit auf Tour sein ausgesucht haben sowas ab und zu noch erlaubt. Es gibt so viele schöne orte auf der Welt wo man wenn sich nicht so ein Anlaß dazu findet nie hin kommt weil es keine Gelegenheit dazu gibt. Und so lernt man so viel von der Welt kennen und überall sind schöne Fleckchen und es bringt einem Deutschland auch irgendwie ein bißchen näher.
 
Thomas: Tourt ihr nur durch Deutschland ?
Mietze: Nein, grade auch in diesem Sommer touren wir durch Belgien, Frankreich, Ungarn und grade vor einer Woche sind wir von einer Tour aus Sibirien wieder gekommen. Wir haben 3 Konzerte in Sibirien gespielt ,in Tomsk Nowosibirsk und Jekaterinburg. es war ein ganz besonderes Erlebnis für uns. wir waren mit dem Götheinstitut unterwegs und haben ein paar andere Bräuche und Lebenseinstellungen kennen gelernt. wir machen auch grade die Erfahrung wie es ist mit der Musik die wir spielen auch ins nicht deutschsprachige Ausland zu gehen. wir spielen natürlich auch Österreich und die Schweiz was immer eine große Freude ist weil die Leute eine leicht andere Mentalität haben und trotzdem die Sprache so gut verstehen.
 
Thomas: Und wie kommt ihr mit eurer deutschsprachigen Musik in Ländern an wo kein deutsch gesprochen wird ?
Mietze: Mietze Für die Leute ist das auf jeden fall ein Stück deutsche Kultur. Die hören das und saugen es regelrecht auf. Das besondere an Sibirien ist das die zum teil ein bißchen deutsch sprechen, d.h. ein paar deutsche Vokabeln verstehen. Ich habe mich bemüht russische ansagen zu machen und man hat mich auch verstanden. Generell sind die Leute da wahnsinnig offen und sie haben den Kontakt sehr genossen, das war was ganz besonderes.
 
Thomas: Ihr habt ja dieses Jahr auch am vorentscheid zum GrandPrix und seid leider nicht weiter gekommen. Hat es euch trotzdem etwas gebracht ?
Robert: Wir haben da mitgemacht um einfach die Erfahrung zu haben wie es ist dabei mit zu machen. Man kann sich viel vorstellen aber wir wollten die Erfahrung selber machen grade an so einer Neuerung des Grand Prix ,der sich jetzt ein bißchen offen gemacht hat mit zu wirken. Ich finde es ist aufs vollste gelungen. Ich fand den Vorentscheid eine sehr gelungene Veranstaltung mit einem super breit gefächertem Angebot an Musik. Es war für uns einfach ein spezieller Moment. Soweit ich mich erinnern kann war es das kürzeste Konzert das wir jeh gegeben haben. Es waren exakt 3 Minuten die wir zeit hatten auf der Bühne zu stehen wo man aber komplett 3 Tage für geprobt hat. Das sehr besondere ist das halt in 3 Minuten auszuleben wo man sonnst eine komplette Konzertlänge Zeit hat zu genießen oder etwas auf zu bauen. Da war das emotional sehr kraß auf den Punkt. Es war eine super tolle Erfahrung. Uns haben auch hinterher noch stundenlang die Knie geschlottert. Man braucht auch zeit das zu verarbeiten. Es sind viele Leute, auch im Internet hab ich gelesenen, an uns heran getreten die uns vorher nicht kannten, uns durch den GrandPrix kennen gelernt haben und sich dann auch das Album gekauft haben. Auch von der warte her kann man sagen das es sehr gelungen war auf so eine Art und weise sich auch einem breiten Publikum zu präsentieren.
Mietze: Man darf auch nicht vergessen, wir haben da Hungriges Herz gespielt ein Lied was uns aus tiefstem Herzen spricht, was uns sehr berührt hat, was immer schon ein sehr starkes Lied war. Alle Lieder sind Lebensabschnitte, private Momente, kleine Einblicke. So einen Privaten Moment mit so vielen Leuten zu teilen ist einfach etwas ganz besonderes. Ich bin sehr glücklich dieses besondere Lieb in diesem besonderen rahmen präsentieren zu können.
 
Leider musste Robert uns an dieser Stelle verlassen aber Mietze stand mir noch für ein paar Fragen zur Verfügung.
 
Thomas: Meistens brauchen Bands schon 2 oder 3 Lieder um richtig mit dem Publikum warm zu werden. Ist das da bei einem Lied nicht besonders schwer rüber zu bringen was man drauf hat ?
Mietze: Das ist ja eine Situation mit dem Publikum und Interpret vertraut sind. Auch das Publikum weiß das du nur ein Lied spielst. Deswegen mochte ich die Änderung das das Lied und die Künstler inklusive Video schon vorher bekannt sind. Ich fand es eher sehr sehr spannend weil das Lied dadurch eine unglaubliche Energie kriegt weil alle Hoffnungen, träume alle wünsche auf dieses eine Lied Projiziert werden. Ich fand es gut, es hat dem "Hungrigen Herz" sehr gut getan. Du must nachher mal zum Konzert kommen und dir mal anhören was passiert wenn "hungriges Herz" angestimmt wird. Es bewegt mich, das ist ganz verrückt.
 
Thomas: Hast du dir denn den GrandPrix auch angesehen ?
Mietze: Es gibt eine sehr gelungene Dokumentation über den GrandPrix. Die lief die letzten Tage auf ARTE. Da wurde der komplette Grand Prix nicht nur aus deutscher sichte beleuchtet sondern auch aus Sicht der Ukrainer, Franzosen und Zypern. Das war sicherlich sehr sehr anstrengend für alle beteiligten, ein wahnsinniger Rummel. aber ich bin mir sicher das das jeder wuste der wuste der sich drauf einläßt. Ich habe große Sympathie für die Ukrainerin empfunden und mich deshalb gefreut das sie gewonnen hat.
 
Thomas: In den Anfängen des GrandPrix hat ja eigentlich noch jedes Land in seiner Landessprache daran Teilgenommen. Verliert der GrandPrix nicht auch dadurch das so viele ihre Lieder auf Englisch darbieten an Vielfalt ?
Mietze: Die Ukrainerin hat es ja nicht gemacht, die hat ja z.B. in ihrer Sprache gesungen. Das ist eine ganz gute Frage. Ich findet letztendlich muss es jeder für sich selbst entscheiden. Solange die Musik dann wenigstens etwas landestypisches hat, du kannst ja die Melodie so setzen das sie landestypisch klingt, wenn du dann gerne mit englisch arbeiten willst. Ich finde eher alle Leute sollten sich da frei fühlen und einfach ein gutes Lied anbringen. Also für mich persönlich klingt es überzeugender wenn das Lied in der eigenen Sprache ist, das ist einfach so. Das ist aber nur eine persönliche Empfindung. Trotz alle dem bin ich auch neugierig wenn jemand sagenhaft gutes Lied auf englisch singt, dann sag ich nur herzlichen Glückwunsch.
 
Thomas: Ihr macht aber überwiegen in deutscher Sprache.
Mietze: Genau, es gibt einige Sprachen derer wir uns bedienen aber grade ist es hauptsächlich die deutsche.
 
Thomas: Warum auf deutsch ? In englisch z.B. wären die Erfolgschancen doch größer ?
Mietze: Mietze Es ist einfach so das die deutsche Sprache mich sehr fasziniert mit ihrer Kantigkeit. Sie ist sehr reich an Vokabeln das hat nicht jede Sprache. Ich finde deutsch erst mal sehr schwierig und bin froh das ich damit aufgewachsen bin und sie nicht später noch erlernen mußte. Mir ist das aufgefallen weil in Sibirien lernen sehr viele deutsch und ich bewundere das sehr weil auch das russische eine schwere Sprache ist. Ich mag einfach das deutsche. Ich mag damit umgehen, ich mags sprechen, ich mags hören. Ich denke auf deutsch, es sind die Gedanken die ich denke ,ich mag deutsche Sprichwörter , mit denen arbeite ich ja auch. Trotzdem bin ich wahnsinnig offen was andere sprachen , ich probier ein bischen Französich, ich hab was auf russisch probiert, ich sing ein bißchen englisch also ich bin auch wahnsinnig neugierig und da wird sich auf jeden fall noch einiges entwickeln.
 
Thomas: Ihr seid ja jetzt auf Tour. Habt ihr da auch Einfluß darauf wo ihr spielt oder gibt euch das euer Management vor ?
Mietze: So stellt ihr euch das also vor. Ne, das ist generell so das wir gerne an orten spielen wo wir schon mal gespielt haben. Wir haben ja auch schon mal in Siegen gespielt, das war im Winter vor anderthalb oder zwei Jahren. Das war ein lustiger auftritt den ich sicher nicht so schnell vergessen werde weil der Andi hatte Probleme mit seinem Verstärker ist saumäsig wütend geworden und an der Bühne war eine Tür die nach draußen ging die hatte aber von außen keine Klinke. Andi ist wutentbrannt raus gerannt, hat die Tür hinter sich zugeschlagen und von uns hat keiner gewußt das der Ani jetzt da draußen steht und wartet. Das haben wir erst hinter her mitgekriegt. Der trommelt und trommelte an die Tür und schrie “Last mich rein. Kamm wieder rein , hat an seinem Verstärker rumgedoktort, ist dann wieder raus die Tür wieder zu geschlagen. Es war also ein recht unvergeßlicher abend den Andi hoffentlich untraumatisiert überstanden hat und spätestens heute abend verarbeiten kann. Wir spielen gerne mehrere male an Orten. Es gibt generell auch Festivals die wir wahnsinnig gerne spielen wie das “Immer gut”. Das sind dinge wo wir dann zu unserer Booking Agentur sagen “hey wir würden da gerne spielen, mach was draus”. Wir arbeiten Hand in Hand. Die schlagen uns Termine vor und sagen uns wo eine Veranstaltung ist die für uns interessant sein könnte.
 
Thomas: Ich habe schon Bands erlebt die auf der Bühne standen und nicht genau wusten wo sie sind. Wenn ihr auf Tour seid weist du wo du bist ?
Mietze: Wir sind hier in Siegen. Ich habe mir sagen lassen Siegen ist zwischen Köln und Frankfurt.
 
Thomas: Ja
Mietze: Na hallo.
Ich kenne mich nicht so aus was die Weltkarte betrifft und die Tour hilft mir dann immer so ein bißchen. Dann kann ich immer so einen weiteren Punkt auf meiner karte machen. Ich geb mir da mühe ganz klar. Ich will wissen mit wem ich es zu tun habe wenn ich auf die Bühne gehe. Mit was für Leuten habe ich zu tun wo komen die her.
 
Thomas: So das war schon alles was ich Fragen wollte. Vielen Dank für das Interview und viel Spaß später beim Konzert.

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